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  • David Hirschmann

Sule Mohsenzada geht: Karriereende einer Legende


(c) Johann Stückler

Als 23-Jähriger kam er zum TUS Teschl Heiligenkreuz am Waasen – wenige Wochen vor seinem 36. Geburtstag wird er sein letztes Spiel für Heiligenkreuz bestreiten. Während den insgesamt elfeinhalb Jahren im gelb-schwarzen Trikot nahm Mohamad Sulaiman Mohsenzada eine Entwicklung, die in der Form sicher nur wenige erwartet hätten: Vom Neuzugang aus Kärnten bis zum TUS-Kapitän und zur lebenden Vereinslegende.


Mohamad Sulaiman Mohsenzada wurde 1987 in Prag geboren – seine Eltern kamen ursprünglich aus Afghanistan – und ist in Kärnten aufgewachsen. Dort ging er zur Schule und spielte in der Jugend des FC Kärnten Fußball. 2006 folgte dann der erste Vereinswechsel zur WSG Wietersdorf, ehe er eineinhalb Jahre später nochmal für wenige Wochen in die Jugend des FC Kärnten zurückkehrte. Zur Saison 2007/2008 wechselte der auf transfermarkt.at als linker Mittelfeldspieler angeführte Sule nach Kröttmannsdorf. Nach einer halbjährigen Leihe zum SK Maria Saal im Winter 2010 ging es zur Saison 2010/2011 zum SV Griffen. Ein halbes Jahr später traf er schließlich die wohl beste Entscheidung seiner Karriere: Sulaiman Mohsenzada zog es von Kärnten ins Steirerland zum TUS Heiligenkreuz am Waasen. "Ich weiß noch ganz genau, wie ich ihn zum ersten Mal über den Hühnerberg nach Heiligenkreuz gefahren habe. Es war kalt, hatte gefühlt minus 18 Grad und alles war vereist. Ich will nicht wissen, was er sich damals bei dieser Fahrt gedacht hat", erzählt unser damaliger "Goaleador" Gerhard Steinegger.


Nach 27 Einsätzen und neun Toren zwischen 2009 und 2011 in der Kärntner Liga, spielte Sule nun ab sofort in der Oberliga Süd-Ost in der Steiermark. Es kann doch kein Zufall sein, dass Heiligenkreuz diese am Ende der Spielzeit auf der Platzierung von Sules neuer Rückennummer 8 abschließen sollte. Der Neuzugang wurde nicht nur aufgrund seines unvergleichbar originalen Kärntner Dialekts und seiner fröhlichen, positiven und kommunikativen Art innerhalb kürzester Zeit zum neuen Publikumsliebling im Stiefingtal, sondern trug mit seinen sechs Toren und weiteren Assists auch gleich sportlich maßgeblich dazu bei, dass Heiligenkreuz auch im zweiten Oberligajahr mit dem Klassenerhalt keine Probleme hatte. Die Saison 2011/12 sollte dann alles toppen, was in Heiligenkreuz je geschehen ist. Nach einem bereits zuvor sensationellen Durchmarsch von der Gebietsliga bis in die Oberliga, holte die rund 2.000-Einwohner-Gemeinde im Stiefingtal in ihrem dritten Jahr in der Oberliga den Meistertitel und den damit verbundenen Aufstieg in die höchste steirische Spielklasse. Auch unser Kärntner hatte daran wieder maßgeblichen Anteil, wenn leider auch nur eine halbe Saison lang. Nach fünf Toren im Herbst kam für Mohsenzada schon ein halbes Jahr vor dem restlichen Heiligenkreuz der Ruf der Landesliga und dem konnte er nicht widerstehen. Schweren Herzens wechselte er zum SV Lafnitz in die Oststeiermark. Während sich "seine" Heiligenkreuzer in einem Herzschlagfinale mit 50 Zählern, einen Punkt vor Gnas, den Meistertitel sicherten und feierten, lief es für Sule in Lafnitz nicht ganz wie erhofft. Immerhin drei Treffer erzielte er für den am Ende Siebtplatzierten der Landesliga.


Pünktlich zum Heiligenkreuzer Landesligadebüt gab Sule sein Comeback im Stiefingtal und sollte von nun an neben Kapitän Jure Jevsenak und Rekordserientorschütze Steinegger zum unersetzbaren und fixen Bestandteil des gelb-schwarzen Traditionsvereins werden. Am 4.8.2012 wehte erstmals Landesligaluft durch Heiligenkreuz am Waasen und die Hausherren feierten dank eines Tores von Coskun Akdag gleich einen Sieg zum Einstand. Sule kassierte kurz vor Spielende wegen Unsportlichkeit die gelbe Karte. Im Laufe der Saison erzielte der Angreifer vier Tore und die Saison wurde mit 35 Punkte auf einem respektablen zwölften Rang abgeschlossen. Im Laufe der folgenden Jahre spielte sich der TUS Heiligenkreuz immer weiter in der Landesliga fest und lieferte damit eine leider oft viel zu wenig gesehene und anerkannte Sensation ab. Dasselbe gilt dabei auch für unseren Sule, der abgesehen von der zuvor genannten Premierensaison und der Spielzeit 2021/22 (ebenso vier Treffer), nie weniger als sieben Landesligatore erzielte. Besonders hervorzuheben gilt es dabei die Spielzeit 2014/15, als Heiligenkreuz hinter dem Deutschlandsberger SC Vizemeister wure und "Suleman" 17 Treffer erzielte! Nicht unerwähnt bleiben darf auch seine stets körperliche Topform. Während so manch Anderer etwa nach der langen Coronapause mit dem Optimalgewicht zu kämpfen hatte, hatte Sule die fußballfreie Zeit offensichtlich genutzt, um seinen Körper in Topform zu bringen.


Insgesamt brachte es Sule Mohsenzada für Heiligenkreuz in all den Jahren auf bislang 94 Toren in der Landesliga, dazu kommen noch viele weitere im Cup sowie in all den Aufbauspielen. Mit Hannes Thier, Gerhard Vidovic, David Preiß, Gerald Tödtling, Jerko Grubisic, Günter Gross und Horst Pfeifer hatte Sule in Heiligenkreuz insgesamt sieben Trainer bzw. Co-Trainer erlebt. Seine Mitspieler neben den an dieser Stelle weiter oben bereits angeführten weiteren Vereinslegenden waren u.a. Martin Holler, Gernot Leeb, Samuel Schwarz, Michael Kallab, Lukas Ratschnig, Hamza Mikara, Erdzan Beciri, Dejan Purisic, Lukas Starchl, Henry Darko, Bono Vucic, Daniel Hofer, Florian Schögl, Josip Eskinja, Pascal Pieber, Hannes Plieschnegger, Adnan Adilovic, Johannes Driesner, Jakob Karl, Daniel Resch, Dominik Degen, Jan Gruber, Christian Kölldorfer und viele Weitere!


Nun aber Schluss mit all den Daten und Fakten: Danke für alles, Sule! Du hast große Spuren in unserem Verein hinterlassen und Historisches geschafft! Du hast uns unvergessliche Momente ermöglicht! Niemand hat den Verein so gelebt und nicht nur auf der Brust getragen wie du, lieber Sule! Du hast eine Ära geprägt und identifizierst dich mit dem Verein, wie es nur wenige Spieler getan haben. Dass der Verein und die Mannschaft für dich an erster Stelle stehen, hast du eindrucksvoll bewiesen. Du bist einer von uns – du bist TUS Heiligenkreuz in Person und gehörst zweifelsohne in die Riege der größten Spieler-Persönlichkeiten der TUS-Historie!


Fotos (c) Johann Stücker


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